Saskia Fischer

Kurzvita

Dr. Saskia Fischer (Universität Bielefeld) is a lecturer in the Faculty of Linguistics and Literary Studies at Bielefeld University and has written her dissertation on poetic rituality in German drama after 1945 (to be published 2017, Wilhelm Fink-Verlag). For her Master’s thesis she was granted the Graduates' Award of the Faculty of Linguistics and Literary Studies at Bielefeld University. She received a doctoral scholarship from the Konrad Adenauer Foundation and the Bielefelder Nachwuchsfonds.

She was an ERASMUS visiting lecturer at the German Studies Department at Łódź University, Poland, in 2011 and at the University Ca’Foscari in Venice, Italy, in 2016. She has also been a visiting researcher at the Meiji University in Tokyo, Kyoto University, Niigata University and Kyushu University in Fukuoka, Japan, in 2012 and has been a visiting lecturer at the University of Notre Dame, USA, in 2014.  Furthermore she has worked as an assistant director at several theatres throughout Germany.

Her publications so far include several articles on Bertolt Brecht. She is also co-editor of an upcoming volume on modern art and ritual (Saskia Fischer / Birgit Schuhbeck (eds.): Kunst-Rituale, Ritual-Kunst – Zur Ritualität von Theater, Literatur und Musik in der Moderne, June 2017, Königshausen & Neumann) and of an upcoming volume on Holocaust Literature (Joanna Bednarska / Saskia Fischer / Mareike Gronich / Anna Wilk: Lagerliteratur – Text aus den Konzentrationslagern und Ghettos, Peter Lang Verlag).

 

 

Vortrag

Zwischen Deutschland und Israel, Erinnerung und Gegenwart – Überlegungen zur engagierten Literatur der Gegenwart am Beispiel von Katharina Hackers Roman Skip (2015)

Bereits Katharina Hackers erster kurzer Prosatext Tel Aviv – Eine Stadterzählung von 1997 zeichnet sich durch eine vielstimmige, perspektivenreiche, zum Episodischen und Aphoristi­schen neigende Darstellungsweise aus, die das, was sie im Titel ankündigt, ‚eine‘ Stadterzählung vorzunehmen, im Text selbst fortwährend unterwandert. Statt einer linearen Erzählung sind es Notizen, Beobachtun­gen, Reflexio­nen und kleine Geschichten, mit denen Hacker das Leben der Menschen in Tel Aviv be­schreibt. Mit ihrem Erstling be­ginnt Hacker eine Poetik von Geschichte und Gegenwart zu entfalten, wie sie sie in ihren späteren Ro­manen weiter ent­wickelt hat. Es ist die Poetik eines Erzählens, in dem sich Ver­gange­nes und Gegenwärtiges durchdringen, in dem fiktive und autobiographi­sche Geschich­ten inei­nander fließen und in dem immer auch die politischen Zusammenhänge und ihre ge­walttäti­gen Folgen für den Einzelnen präsent sind (Shoah, 9/11, Nahostkonflikt usw.), das Er­zählte jedoch nicht zu einer kausal zu­sammenhängenden Geschichte verbunden wird. Für Hacker gibt es die eine große Geschichte nicht. Betont wird hingegen die Anwe­senheit des Gleichzeiti­gen, die Vielfalt sub­jektiver Geschich­ten, die die Wirklichkeit ausmachen. Um deren Komplexität er­fahrbar werden zu lassen, sind für Ha­cker experimen­telle Erzähl­weisen nötig, die auch von digi­talen Erzählverfahren inspiriert sind. Im Vergleich zu ihren früheren Text gibt Hacker jedoch mit ihrem neuesten Roman Skip auf das Problem einer komplexen Wirklich­keit wenn auch keine einfache, so doch eine eher konventionelle Antwort. Skip testet die Grenzen eines linearen und stringenten Er­zählens aus, ohne es wirklich aufzuge­ben. Vielmehr zeigt sich an ihrem neuesten Roman gerade angesichts der herausfordernden politischen Gegenwart die Notwendigkeit eines weitgehend ver­lässlichen und geordneten Erzählens. Skip ist der engagierte und ambitionierte Versuch, auf die politischen Konflikte der Gegenwart mit einer ordnungsstiftenden Erzählweise zu reagieren.