Mareike Gronich

Kurzvita

 

Mareike Gronich, M.A.

Universität Bielefeld

mgronich@uni-bielefeld.de

 

Vortrag

Die Welt zu Gast bei Freunden? Die deutsche Flüchtlingsdebatte im Spannungsfeld von Solidarität, Mildtätigkeit und (implizitem) Rassismus in Jenny Erpenbecks Gehen, ging, gegangen

Jenny Erpenbecks Roman „zeigt“ – so Dana Buchzik –, „wie schlecht es um die politische Literatur in Deutschland bestellt ist. Statt die Geschichten der Geflüchteten in den Vordergrund zu stellen, wird Gehen, ging, gegangen von einem Wohlstandsbürger dominiert, der sich weltoffen und aufgeklärt fühlt und die eigene von Ressentiments durchsetzte Ignoranz nicht bemerkt.“ 1

Was den Protagonisten des Romans betrifft, ist diesem Befund zuzustimmen. Dem daraus abgeleiteten allgemeinen Urteil über politische Gegenwartsliteratur ist hingegen mit Skepsis zu begegnen, denn es beruht weniger auf dem vorliegenden Roman als vielmehr auf der Erwartung der Literaturkritikerin, dass dieser das Schicksal Geflüchteter ins Zentrum stellen müsse, um ein gelungener politischer Roman zu sein. Gehen, ging, gegangen – so die Ausgangsthese des Vortrags – ist aber gerade kein Roman über das „Flüchtlingselend in Deutschland“ 2, sondern zuallererst eine Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen deutschen Flüchtlingsdebatte.

Ziel des Vortrags ist es, zu zeigen, dass Erpenbeck die verschiedenen Facetten dieser Debatte nicht einfach im Sinne eines Thesenromans nachzeichnet, sondern sie qua narrativer Struktur und ästhetischer Gestaltung so miteinander verwebt, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, zwischen Flüchtlingssolidarität, Mildtätigkeit und (impliziten) Rassismus mitunter fließend sind. Gerade das allerdings, so wird sich zeigen, macht diesen Roman zu einem eminent politischen Text.

 

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1 Buchzik, Dana: Trifft ein Berliner Professor auf Flüchtlinge. In: Spiegel Online 02.09.2015. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/gehen-ging-gegangen-von-jenny-erpenbeckrezension-a-1050518.html, abgerufen am 28.02.2017.

 

2   Schmitter, Elke: Der Stand der Dinge. In: Der Spiegel 37/2015, S. 126f