Joanna Jabłkowska

 Kurzvita

1953 geb., Literaturwissenschaftlerin, Zaklad Mediów Niemieckojęzycznych i Kultury Austriackiej

Forschungsschwerpunkte: Gegenwartsliteratur, Literatur und Politik, Utopie und Apokalypse in der Literatur; zuletzt erschienen u.a. Gedächtnis und Gemütlichkeit. Zur kritischen ‚Aufarbeitung‘ der Vergangenheit in der österreichischen Literatur. In: TEXT + KRITIK. Sonderband IX (2015), S. 7-19; Kollision oder Umkodierung? Zur ‚treuen‘ Literaturverfilmung am Beispiel von Werner Herzogs Woyzeck. In: G. Heidemann, S. (Hg.): Medienkollisionen und Medienprothesen. Frankfurt a.M. 2015, S. 117-133; Distanziertes Engagement. Das Konzept der Tragödie in Heiner Müllers Schaffen. Am Beispiel von Der Horatier. In: C. Gansel, W. Nell (Hg.): Vom kritischen Intellektuellen zum Medienprominenz? Bielefeld 2016, S. 215-230; Sprachsatire, Pazifismus und Ohnmacht. Karl Kraus und der Erste Weltkrieg. In: H. R. Brittnacher, I. von der Lühe (Hg.): Kriegstaumel und Pazifismus. Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg. Frankfurt am Main 2016, S. 51-66; „Diese Unruhe ist es, die in den geglückten Reisebüchern tickt.“ Alfred Anderschs Italienbild. In: N. Ächtler (Hg.): Alfred Andersch. Engagierte Autorschaft im Literatursystem der Bundesrepublik. Stuttgart 2016, S. 148-162; Institutionelle Rolle der Medien in intellektuellen Kontroversen. Eine Reflexion zur Walser-Bubis-Debatte. In: J. Jablkowska, K. Kupczynska, S. Müller (Hg.): Literatur, Sprache, Institution. Wien 2016, S. 41-58; Möglichkeiten und Aporien des Engagements. Eine Reflexion über die deutschsprachige Literatur der Nachkriegszeit. In: A. Bartl, M. Famula (Hg.): Vom Eigenwert der Literatur. Würzburg 2017.

 

Vortrag

„Enge der Heimat ist nichts für mich“: eine neue Generation der österreichischen Literatur oder ein Einzelfall: Kathrin Röggla

Seit den 80er Jahre konzentrierte sich das Engagement des österreichischen AutorInnen vorwiegend auf die Probleme des eigenen Landes. Im Zentrum stand und steht nach wie vor die immer noch nicht aufgearbeitete Schuld aus der NS-Zeit oder präziser, der Umgang mit dieser Vergangenheit heute und Defizite des demokratischen Bewusstseins in Österreich. Eine gewisse Ausnahme ist Peter Handke, der sich lange Zeit mit dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien befasste und damit große Kontroversen provozierte. Katrin Röggla, die in Salzburg geboren ist und dort studierte, wohnt seit 1992 in Berlin und ist eine der bekanntesten SchriftstellerInnen der jüngeren (mittlerweile schon der mittleren) Generation. Ihr Engagement orientiert sich deutlich an anderen Problemen als das Engagement ihrer Kolleginnen und Kollegen in Österreich. Ein wichtiges, großes Thema ist Verlust der menschlichen Souverenität, die vom sehr eng verstandenen „Korporationsgeist“ ersetzt wird. Damit verbindet sich das Katastrophenbewusstsein, das nicht unbedingt – wie in der Literatur der 80er Jahre – an den atomaren Untergang gemahnt, vielmehr auf vielen Ebenen – auch auf der mentalen – den Schwund der Menschlichkeit sieht. In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik der Medien zu verstehen.

 

Die Frage des Referats ist, inwieweit sich Röggla von der österreichischen Tradition noch inspirieren lässt (Sprachkritik!) und inwieweit ist sie eine Ausnahmeerscheinung in der deutschsprachigen Literatur, eine Autorin, die in der heutigen zum Teil apolitischen Kulturlandschaft auf Themen verweist, die relevanter sind als die tagespolitischen Probleme.