Irmela von der Lühe

Kurzvita

Irmela von der Lühe, Professorin (a.D.) für Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin und (seit Oktober 2013) Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg.

Forschungsschwerpunkte im Bereich der deutsch-jüdischen Literatur-und Kulturgeschichte, der Literatur des Exils und der Shoah,  der Literaturgeschichte weiblicher Autorschaft sowie der Thomas Mann-Familie.

Jüngste Veröffentlichungen: (mit Dorothee Gelhard): Wer zeugt für den Zeugen? Positionen jüdischen Erinnerns im 20. Jahrhundert. Frankfurt a.M./ Berlin/ Bern u.a. 2012; (mit Hans-Richard Brittnacher): Kriegstaumel und Pazifismus.

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg. Frankfurt a.M./Berlin/Bern 2016.

 

 

Vortrag

Engagement für die Gegenwart als Erzählen von der Vergangenheit. Deutschsprachige jüdische Literatur nach 1989 

Immer wieder ist darauf aufmerksam gemacht worden, dass zu den vielfältigen kulturellen und literarischen Wirkungen, die mit dem Ende des Kalten Krieges und der „Wende“  seit 1989 einhergingen, auch eine „Renaissance“ deutschsprachiger jüdischer Literatur einher gegangen sei.

Auch wenn die Definitionen dessen, was unter jüdischer oder wohl gar deutsch-jüdischer Literatur zu verstehen sei, erheblich differieren und die Skepsis gegenüber den implizit normativen Zuschreibungen beim Gebrauch solcher Begriffe zu Recht sehr groß ist, kann an dem Befund kein Zweifel bestehen: Mit Robert Schindel und Robert Menasse, mit Doron Rabinovici, Esther Dischereit  oder Barbara Honigmann haben sich seit 1989 zunächst Autoren und Autorinnen der sog. „zweiten Generation“ literarisch zu Wort gemeldet, die nicht lediglich von den traumatischen Erfahrungen der Elterngeneration erzählen, sondern explizit die Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Erzählens thematisieren.

Für eine jüngere Generation (u.a. Lena Gorelik, Katja Petrowskaja u.v.a.) wird überdies die literarische Auseinandersetzung mit einer osteuropäisch-jüdischen Herkunft zum Thema. Neue Formen engagierten Erzählens vom Fortwirken der Vergangenheit in der Gegenwart werden in beiden Generationen erprobt. Der Vortrag möchte an ausgewählten Beispielen narrative Formen und kulturelle Muster eines solchen engagierten Erzählens nachzeichnen und die zugrunde gelegten identitätspolitischen Paradigmen kritisch erörtern.