Hannes Krauss

Kurzvita

Hannes Krauss, geboren 1945, studierte Germanistik und Geschichte in Tübingen und West-Berlin, war danach zunächst Lehrer in Berlin und von 1973 bis 2011 Akademischer Rat an der Universität (Duisburg-)Essen. Er promovierte an der Universität Bremen mit „Studien zu Erzählliteratur der DDR“. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die deutschsprachige Gegenwartsliteratur (insbesondere die der DDR) und die Vermittlung von Gegenwartsliteratur im Fremdsprachen-Unterricht. Als Gastdozent unterrichtete er u.a. in Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Großbritannien, den USA und (bis heute regelmäßig) an verschiedenen russischen Universitäten; 2015 wurde er von der ‚Fernöstlichen Staatlichen Humanwissenschaftlichen Universität’ in Chabarowsk zum Prof. h.c. ernannt.

 

Publikationen über zahlreiche Autoren, aber auch über „DDR-Literatur und Moderne“ und „Literatur der Wende“. Zuletzt:

 

  • „Memories of a GDR-Watcher, oder: Die westdeutsche Germanistik und die DDR-Literatur“. In: David Clarke and Axel Goodbody (ed.): The Self in Transition. Essays in Honour of Dennis Tate, Amsterdam, New York 2012 (= German Monitor 75), 267-283.
  • „Christa Wolf: Tagebücher“. In: Carola Hilmes / Ilse Nagelschmidt (Hg.): Christa Wolf Handbuch, Stuttgart 2016, 296-309.
  • „Sinn stiften: literarische Gedächtniskonstruktionen“, hgg. zus. mit Yvonne Delhey, Duisburg 2016 (= Essener Schriften zur Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaft Bd. 9).

 

 

Vortrag

„Poetisches“ Engagement? - Überlegungen zu Handkes Jugoslawien-Texten

Peter Handkes Berichte über zwei Reisen nach Serbien („Winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina“ und „Sommerlicher Nachtrag“) haben 1996 einen heftigen Streit nicht nur im deutschen Feuilleton ausgelöst. Zur Empörung seiner Kritiker trugen in der Folge Handkes Äußerungen in Interviews

und seine Teilnahme am Prozess gegen Milosevic und an dessen späterem Begräbnis bei, die als Parteinahme für das Böse gedeutet wurden.

Aus der zeitlichen Distanz von zwei Jahrzehnten soll an Handkes Reiseberichten, aber auch an Texten wie „Abschied des Träumers vom neunten Land“, die Frage diskutiert werden, ob seine Äußerungen (zumindest die schriftlichen) nicht eher ästhetischen als politischen Prinzipien folgten, Handkes Engagement also ein poetisches war, das nicht die Legitimation zur politischen Stellungnahme aus der eigenen Prominenz ableitete, sondern auf politische Themen mit literarischen Mitteln reagierte. Ein Verfahren, das Handke dann in den anschließenden Debatten trotzig (und naiv) verteidigte.