Ewelina Kamińska-Ossowska

Kurzvita

Ewelina Kamińska-Ossowska, Univ.-Prof. Dr. habil, Professorin für die deutschsprachige Literatur am Institut für Germanistik der Universität Szczecin. Leiterin des Lehrstuhls für Deutschsprachige Gegenwartsliteratur.

Germanistikstudium an der Universität Szczecin, 1998 Promotion an der Universität Wrocław: Polnische Motive im deutschen Kinder- und Jugendbuch nach 1945 (Dortmund 2001), 2011 Habilitation an der Universität Gdańsk mit der Arbeit Erinnerte Vergangenheit – inszenierte Vergangenheit. Deutsch-polnische Begegnungsräume Danzig/ und Stettin/Szczecin in der polnischen Prosa im Kontext der Wende von 1989 (Szczecin 2009). Forschungsbereiche: Kinder- und Jugendliteratur; Erinnerungsliteratur; Gestaltung der deutsch-polnischen Wechselbeziehungen in der gegenwärtigen deutschen und polnischen (insbesondere pommerschen) Literatur, Geschichte der deutschen Literatur und Kultur im Kontext der interkulturellen Kommunikation, das Schaffen von Tankred Dorst. Publikationen aus den letzten Jahren: Ewa Hendryk, Ewelina Kamińska (Hgg.): Człowiek – przestrzeń – czas w twórczości Tankreda DorstaO interdyscyplinarnych i transkulturowych aspektach współczesnego teatru, Szczecin 2011; Ewelina Kamińska, Ewa Hendryk (Hgg.): U źródeł fantasy. Postaci i motywy z literatury niemieckiej w relacjach interkulturowych, Bände I–III, Szczecin 2013, Szczecin 2014, Szczecin 2015; Ewelina Kamińska-Ossowska, Ewa Hendryk (Hgg.): Oswoić rzeczywistość. Wokół niemieckojęzycznej literatury dla dzieci i młodzieży I, Szczecin 2016.

 

ewelinam.kaminska@gmail.com

 

 

Vortrag

(Wie) Kann man Kleinkindern über Flüchtlinge berichten?

Das 21. Jahrhundert steht unter dem Zeichen der Migrationen und Fluchtbewegungen. Die Folgen dieser Prozesse sind in vielen Ländern im Alltag zu beobachten. Im Westen Europas sind Flüchtlinge, Aussiedler und Migranten verschiedener Art und Herkunft  seit Jahrzehnten ein wichtiger Teil der Gesellschaft, Schriftsteller verzeichnen reaktiv alle Wellen der Neuankömmlinge und haben bereits literarische Mittel gefunden, über die Schicksale der neuen Mitbürger zu berichten. Im Falle der Kinder- und Jugendliteratur zielen sie meistens auf Erklärung, Bewusstmachung, Verständigung und Erziehung ab.

Es liegen sowohl fiktionale Texte als auch solche, die von konkreten Geschichten inspiriert wurden, oder authentische Berichte vor. In dem Beitrag wird der Versuch unternommen, die in den letzten Jahren in Deutschland erschienenen Texte, u.a. Akim rennt (2014) von Claude K. Dubois oder Bestimmt wird alles gut (2016) von Kirsten Boie, in die jahrzehntelange Tradition der Literatur über Flüchtlinge und Migranten einzuordnen sowie mit zwei polnischen Kinderbüchern zu dieser Thematik zu vergleichen, so mit Wędrówka Nabu (2016, Nabus Wanderung) von Jarosław Mikołajewski und der Bilderbuch-Reportage Kot, który zgubił dom (2016, Kater, der sein Haus verloren hat) von Ewa Nowaks. In Polen, das nach 1945 fast monoethnisch wurde und keinen Zustrom von mehreren Gruppen von Fremden erlebt hat, sind literarische, an Kinder adressierte Texte über Flüchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten eine Seltenheit.

Die genannten Bücher versuchen die (Bildungs-)Lücke zu füllen. Jarosław Mikołajewski schildert ein aktuelles Flüchtlingsschicksal von universellem Ausmaß, Ewa Nowak stützt sich auf eine wahre Begebenheit, die um die Jahreswende 2015/2016 passierte und die sozialen Medien beschäftigte, beide bieten mehrere Schwerpunkte zur Diskussion über die Darstellung der Flüchtlinge.