Aleksandra Burdziej


Kurzvita

Seit Oktober 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin (adiunkt) am Lehrstuhl für Germanistik der Nikolaus-Kopernikus-Universität Thorn. Im Juni 2015 Promotion zum Thema Verlorene Heimat? Familiengedächtnis und Identität der deutschen Enkel in der deutschsprachigen Prosa der Gegenwart. Stipendiatin u.a. des Nationalen Wissenschaftszentrum (Narodowe Centrum Nauki) – ETIUDA, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Marion-Dönhoff Stiftung, der Theodor-Koerner Stiftung und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Göttingen. Forschungsaufenthalte und Stipendien an den Universitäten in Konstanz, Bamberg, Göttingen, Wien, Potsdam. Forschungsschwerpunkte: deutschsprachige Literatur und Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts; Gedächtnis-, Erinnerungs- und Identitätsdiskurse in Deutschland; literarische Katastrophendiskurse der Gegenwart

aleksandra.burdziej@gmail.com

 

 

Vortrag

Globaler Alptraum: (Reale) Katastrophenszenarien in Romanen von Andreas Eschbach Ausgebrannt, Michael Tietz Rattentanz und Marc Elsberg Blackout. Eine „Warnungsliteratur"?

In der gegenwärtigen, von (globalen) Krisen und Risiken immer stärker determinierten Welt gewinnen auch Katastrophennarrative deutlich an Bedeutung, während gleichzeitig ein markanter Mangel an utopischen Visionen zu verzeichnen ist. Besonders bemerkenswert sind darunter Narrative, die ausdrückliche Bezüge zur heutigen technologischen sowie wissenschaftlichen Entwicklung aufweisen. Es gehören dazu die sogenannten Wissenschaftsthriller, deren Konzepte auf tiefgründiger wissenschaftlicher Recherche basieren und die in der Regel mit globalen Katastrophen oder apokalyptischen bzw. dystopischen Visionen enden. Solche Texte, zu denen man u.a. das Schaffen von Marc Elsberg (Blackout, Zero, Helix), Michael Tietz (Rattentanz) oder Andreas Eschbach (Ausgebrannt) zählen kann, würde ich als „Warnungsliteratur“ bezeichnen. In meinem Beitrag werde ich am Beispiel von Marc Elsbergs Romanen Blackout, Zero und Helix zeigen, dass es somit eine durchaus engagierte Literatur ist. In allen drei Texten präsentiert Elsberg sehr anschaulich und zugleich auf einem soliden wissenschaftlichen Hintergrund basierend die vielen Risiken, denen wir als Menschen aufgrund der heutigen technologischen Entwicklung ausgesetzt sind, und ohne Umschweife schildert er die drastischen Folgen potentieller Katastrophen. Während es sich bei Blackout um einen andauernden globalen Stromausfall handelt, der infolge eines terroristischen Cyberangriffs zustande kommt, geht es in Zero um die Konsequenzen des totalen Anonymitätsverlustes in der digitalisierten Welt und der damit verbundenen kompletten Überwachung der Gesellschaft durch bestimmte Subjekte. Das neueste Buch des Autors, Helix, stellt dagegen eine suggestive Vision dessen dar, wie große Konzernunternehmen mithilfe der riskanten genetischen Forschungen eine neue bessere Welt schaffen wollen. Mit solchen Themen engagiert sich Elsberg in die aktuellsten politisch-gesellschaftlichen Diskurse. In meinem Beitrag konzentriere ich mich deswegen vor allem auf den Realitätsaspekt der Romane. Die vielen in den Texten dargestellten Facetten und Risiken der gegenwärtigen technologischen Entwicklung möchte ich im Hinblick auf die entsprechenden politisch-gesellschaftlichen Diskurse erörtern.